Für Flaneure

DURCHATMEN – Jun 2019

Das Hotel,, Cas Gasi” auf Ibiza ist eine Institution. So wie seine Besitzerin Margaret von Korff, die sich nie auf ihrem Erfolg ausruht. Heike Blümner besuchte einen Ort in Bewegung.

Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Haus kennenzulernen: Den Ort wie das Sonnenlicht zu absorbieren, ihn auf sich wirken zu lassen, so bewegt man sich dort eher früher als später wie daheim. Die andere Möglichkeit wäre, sich ihm über seine Besitzerin Margaret von Korff zu nähern, deren zurückhaltende Autorität unterstreicht, was sie selbst offen zugibt: ,,Das Hotel bin ich.”

Wer also ist die grazile Person mit den langen Haaren und der schwarzen Brille, die ein wening aussieht wie die kleine, ibizenkische Schwester von Meryl Streep? Um das herauszufinden, bietet es sich beispielsweise an, sie auf ihrem täglichen Morgenspaziergang ins nahe gelegene Santa Gertrudis zu begleiten: Die LandstraBlich in ihrem Lieblingscafé landen, wo ein Freund bereits auf sie wartet. Die Gespräche auf dem Weg umspannen die örtliche Plage durch herumstreunende Hunde, die Untauglichkeit neumodischer elektronischer Gartengeräte, die Vorteile lokaler Schulen sowie einen eingestreuten Literaturtipp zu einer anderen Insel: ,,Sizilianische Schatten” von Peter Robb. Später, beim Cortado, kommt noch die allgemeine Weltlage hinzu, die anhand internationaler Zeitungsauschinitte erörtert wird. Kein Zweifel: Von Korff ist eine Flaneurin – nicht nur physisch – und eine ähnliche Haltung wünscht sie sich idealerweise aunch von ihren Gästen, von denen die meisten nicht nur einmal kommen.

Soeben hat das ,,Cas Gasi” sein zwanzigjähriges Jubiläum gefeiert, und noch immer herrscht Aufbruchstimmung: Der Poolbereich wurde vergröBert, weiter oben am Hang sind zwei neue Häuser mit unverstelltem Blick auf Ibizas höchsten Berg Sa Talaia so gut wie einzugsbereit, das Restaurant soll in die Garten-Suite verlegt werden – auch ein barrierefreies Zimmer ist in Planung. Standardzimmer gibt es allerdings ohnehin nicht, sondern für jeden Bedarf etwas: Für Familien, für Bücherwürmer, für Romantiker, oder für Menschen, die am liebsten für sich sein wollen. Doch auf eines legt die Besitzerin besonders Wert: ,,Cas Gasi’ ist eine Einheit. Es ist nicht nur ein Zimmer. Es ist das Gesamtbild.”

Herzstück der Anlage auf vier Hektar Land bleibt das ehemalige Privathaus der Familie, in dem sich ebenfalls einige Zimmer befinden, und wo das Persönliche sich in der Wahl des Mobiliars, der Kunst und der Bücher besonders bemerkbar macht.

Von Korff wuchs in Barcelona auf, ihre Familie stammt aus dem deutschsprachigen Raum. Ihr Mann, Luís Trigueros Juan, wiederum kommt von der Insel. Die Erweiterung ihres Hauses zu einem luxuriösen Agroturismo sei ,,wie ein reifer Apfel wom Baum gefallen”. Nachdem sie einige Zeit vor Ort für Lufthansa tätig war, sich mit biologischer Landwirtschaft beschäftigt hatte, und überhaupt eine ,,Menschenkennerin” sei, lag dieser Schritt nahe.

Heute kulminieren alle diese Erfahrungen in ihrer Vorstellung von Gastfreundschaft. Dazu gehören die morgendlichen Yoga-Sessions , das Essen mit Produkten aus dem eigenen Garten und das hauseigene Spa. Und wer glaubt, dass die Vorzüge Ibizas in einem Konvolut von Coffee-Table-Büchern ein für allemal abgehandelt seien, den wird die Gastgeberin nachdrücklich auf andere Tatsachen stoBen. Mit dem gesammelten Familienwissen als Beigabe schickt sie den Gast bei Bedarf in entlegene Ecken, wo von Massen – oder gar Partytourismus keine Spur zu finden ist – und soll so sogar schon eingefleischte Mallorca-Liebhaber bekehrt haben. Und überhaupt – all diese Menschen mit ihren Vorurteilen im Gepäck: Das Geheiminis von Ibiza sei seine Weltoffenheit. Von den Phöniziern bis zu den Hippies und den Ravern hätten die Bewohner der Insel stets das Positive aus der Situation gemacht und sich weiterentwickelt. Das oder der andere stoBe hier nicht auf reflexartige Gegenwehr. Und diese Haltung habe den Ort zu dem gemacht, was er ist – Ibiza genauso wie das Hotel. Nehmen, was kommt. ,,Keinen Stempel zu haben, ist so schön”, so von Korff. In gewisser Weise ist ihr das gelungen. Andererseits auch nicht: Das ,,Cas Gasi” ist und bleibt ein Ort für Gäste, für die Reisen auch ein gedankliches Unterfangen ist. Und das ist ein Stempel, mit dem es sich ganz gut leben lässt.